Grüner Tee beugt neurodegenerativen Krankheiten vor

Gute Nachrichten für Teeliebhaber: Der regelmäßige Konsum von grünem Tee halbiert das Risiko einer kognitiven Leistungsminderung selbst bei Menschen, die genetisch für neurodegenerative Erkrankungen prädisponiert sind.

Grüner Tee ist eine außergewöhnliche Quelle von Polyphenolen, die bis zu einem Drittel des Gewichts der Blätter der Teepflanze (Camillia sinensis) ausmachen können. Der regelmäßige Konsum von grünem Tee ist daher eine ausgezeichnete Möglichkeit beträchtliche Mengen dieser biologisch aktiven Moleküle zu sich zu nehmen, da eine einzige Tasse grüner Tee bis zu 200 mg Polyphenole enthalten kann. Darunter befindet sich Epigallocatechingallat (EGCG) als Hauptmolekül, das für die gesundheitlichen Vorteile von grünem Tee verantwortlich ist.

Grüner Tee- eine Pflanze reich an Polyphenolen

Eine kürzlich durchgeführte Untersuchung des genetischen Materials der Teepflanze zeigt, dass dieser außergewöhnliche Polyphenolgehalt das Ergebnis großer Veränderungen in den Genen der Pflanze nach ihrer Domestizierung vor einigen tausend Jahren ist. Die Rolle der Polyphenole besteht im Wesentlichen darin, die Pflanze vor den vielfältigen Aggressionen aus ihrer Umgebung (Mikroorganismen, Insekten, UV-Strahlen) zu schützen. Durch Analyse des gesamten Genoms von Camillia sinensis hat ein Team chinesischer Wissenschaftler gezeigt, dass die für die Produktion dieser Polyphenole verantwortlichen Gene im Laufe der jüngsten Evolution der Pflanze mehrfach „kopiert und wieder eingefügt“ wurden, was den Polyphenolgehalt in den Blättern erheblich erhöht hat und es der Pflanze ermöglichte, sich an die verschiedenen Anbauorte anzupassen.

Grüner Tee schützt vor verschiedenen Krebsarten

Während die Erhöhung des Polyphenolgehalts für die Teepflanze wichtig war, ist sie ebenso wichtig für die menschliche Gesundheit. Die Polyphenole spielen nicht nur eine wesentliche Rolle für organoleptische Eigenschaften des Tees, da sie ihm seine Bitterkeit verleihen, sondern diese Moleküle haben auch mehrere biologische Aktivitäten, die für die Vorbeugung von chronischen Krankheiten sehr wichtig sind.
Einer der am besten dokumentierten Vorteile des Grünteekonsums liegt in der Vorbeugung verschiedener Krebsarten, insbesondere von Mund-, Darm- und Prostatakrebs (metastatische Form der Krankheit). Die prophylaktische Wirkung ist weitgehend auf EGCG zurückzuführen. Über 11.000 wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass dieses vielseitige Molekül in der Lage ist, in eine Vielzahl von Prozessen einzugreifen, die von Krebszellen für das Wachstum und die Invasion von Organen genutzt werden.

Grüner Tee reduziert den Rückgang der kognitiven Funktion um 50%

Die positive Wirkung von EGCG ist jedoch nicht nur auf Krebs beschränkt. So haben beispielsweise mehrere Studien gezeigt, dass EGCG mehrere neuroprotektive Eigenschaften besitzt, die dazu beitragen könnten, neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson zu verhindern. Dies wird besonders gut durch die Ergebnisse einer Bevölkerungsstudie veranschaulicht, die an 1.000 in Singapur lebenden Personen im Alter von 55 Jahren und darüber durchgeführt wurde. Durch die Analyse des Teetrinkverhaltens fanden die Forscher heraus, dass bei regelmäßigen Teetrinkern das Risiko eines kognitiven Rückgangs um 50 % erniedrigt war, verglichen mit denjenigen, die nicht regelmäßig oder sehr selten Tee tranken. Diese Risikoverringerung ist besonders auffällig für Menschen, die eine Kopie des APOE e4-Gens besitzen und daher genetisch ein höheres Risiko aufweisen an Alzheimer zu erkranken: Es kam zu einer deutlichen Risikoreduzierung um 85 %. Überraschenderweise scheint der Schutz, den Tee bietet, für Frauen viel ausgeprägter zu sein.

Grüner Tee als Teil eines gesunden Lebensstils

Diese Ergebnisse zeigen einmal mehr, wie unsere Lebensgewohnheiten einen enormen Einfluss auf unsere Gesundheit haben, sowohl körperlich als auch geistig. Die mit dem Altern verbundene Verschlechterung der kognitiven Funktionen ist kein unvermeidliches Phänomen, gegen das wir nichts tun können. Der Verzehr von Pflanzen, die hohe Mengen an antioxidativen und entzündungshemmenden Molekülen enthalten wie grüner Tee, Kakao, Kurkuma oder Beeren kann dazu beitragen, das Risiko einer kognitiven Verschlechterung zu verringern. Die positive Beeinflussung ist besonders erfolgreich, wenn dies Teil einer gesunden Lebensweise ist, die regelmäßige körperliche Aktivität und die Aufrechterhaltung eines gesunden Körpergewichts einschließt.

Quelle:

Xia E-H et coll. The tea tree genome provides insights into tea flavor and independent evolution of biosynthesis. Molecular.mai 2017.

Feng L et coll. Tea consumption reduces the incidence of neurocognitive disorders: findings from the Singapore longitudinal aging study. J. Nutr. Health Aging 2016; 20:1002- 1009.