Raucher und Ex-Raucher: Lungenkrebsrisiko durch gezielte Ernährung senkbar

Zwischen 80 und 90% aller Lungenkrebserkrankungen stehen in direktem Zusammenhang mit dem Rauchen. Dieser Zusammenhang erklärt sich aus der Tatsache, dass die chronische Exposition der Lungenzellen durch Hunderte von krebserregenden Verbindungen im Tabakrauch die DNA dieser Zellen wiederholt schädigt und das Lungenkrebsrisiko deutlich (um das 15- bis 30-fache) erhöht.

Zehn bis zwanzig Prozent der Lungenkrebsfälle treten bei Nichtrauchern auf.

Trotz dieser gut dokumentierten Rolle des Rauchens bei der Entstehung von Lungenkrebs besteht die Tatsache, dass zwischen zehn und 20% der Fälle bei Menschen auftreten, die in ihrem Leben noch nie geraucht haben. Dies deutet darauf hin, dass andere Faktoren die Entwicklung des Krebses beeinflussen können. Eine pflanzenarme Ernährung könnte einer dieser Faktoren sein: Mehrere epidemiologische Studien haben ergeben, dass der reichliche Verzehr von ballaststoffreichen pflanzlichen Lebensmitteln mit einer signifikanten Verringerung des Lungenkrebsrisikos verbunden war. Einen positiven Einfluss pflanzlicher Lebensmittel wird auch deshalb vermutet, weil der erhöhte Konsum ballaststoffreicher Kost mit einer verbesserten Lungenkapazität sowie einem verringerten Risiko für chronisch obstruktive Lungenerkrankungen und einer verringerten Sterberate aufgrund von Atemwegserkrankungen einhergeht.

Verringerung des Lungenkrebsrisikos durch bestimmte Lebensmittel

Der positive Einfluss von Ballaststoffen auf die Gesundheit ist auf ihre präbiotischen Eigenschaften zurückzuführen, d.h. Ballaststoffe fördern die Ansiedelung von nützlichen Bakterien im Dickdarm. In Abwesenheit von Sauerstoff ernähren sich diese Bakterien durch Fermentation von Ballaststoffen. Ihr Stoffwechsel erzeugt dann mehrere Moleküle, die das Immunsystem positiv beeinflussen, insbesondere bestimmte kurzkettige Fettsäuren mit entzündungshemmender Wirkung. Diese Effekte auf Immunität und Abwehr können durch die Anwesenheit von Probiotika verstärkt werden. Probiotika sind nützliche Bakterien, die in fermentierten Nahrungsmitteln (z.B. Joghurt oder Sauerkraut) vorhanden sind und mit den darmansässigen Bakterien synergetisch wirken können. Da chronische Entzündungen die Krebsentstehung fördern, könnte die gleichzeitige Einnahme von Prä- und Probiotika daher eine sehr interessante Kombination darstellen, um das Erkrankungsrisiko für einige Krebsarten zu reduzieren.

Entzündungshemmende Wirkung von Prä- und Probiotika

Dieses Potenzial ist besonders bei Lungenkrebs von Interesse, da frühere Studien gezeigt haben, dass von Darmbakterien produzierte Fettsäuren über die Blutbahn in die Lunge gelangen und den Entzündungsgrad in der Nähe der Lungenzellen deutlich reduzieren können. Eine Analyse von zehn Studien, die in verschiedenen Regionen der Welt (Amerika, Europa, Asien) mit insgesamt 1.445.850 Teilnehmern durchgeführt wurden, legt nahe, dass diese entzündungshemmende Wirkung von Prä- und Probiotika tatsächlich zu einem verringerten Lungenkrebsrisiko führen könnte. Die Forscher stellten fest, dass diejenigen Teilnehmer mit dem höchstem Konsum an Ballaststoffen (30 g oder mehr pro Tag) einen 15-prozentigen Rückgang des Lungenkrebsrisikos verzeichneten, verglichen mit denjenigen, die sehr wenig Ballaststoffe zu sich nahmen (10 g oder weniger). Die gleiche Schlussfolgerung wurde für Joghurt gezogen: Diejenigen, die regelmäßig Joghurt konsumierten (80-100 g pro Tag), hatten ein um 19% geringeres Lungenkrebsrisiko im Vergleich zu denjenigen, die nie Joghurt gegessen haben.

Eine 33%ige Reduzierung des Lungenkrebsrisikos

Die Kombination der beiden genannten Nahrungsmittel bietet noch größere Vorteile: Teilnehmer, die am meisten Ballaststoffe und Joghurt verzehrten, hatten ein um 33% geringeres Lungenkrebsrisiko im Vergleich zu denjenigen, die sich ballaststoffarm und joghurtfrei ernährten. Bemerkenswerterweise wird diese Schutzwirkung bei Nichtrauchern, Ex-Rauchern und sogar bei Rauchern beobachtet, was darauf hindeutet, dass die entzündungshemmende Wirkung, die durch den Stoffwechsel der Darmbakterien erzeugt wird, einen entscheidenden Schritt in der Entwicklung dieser Krebsart stört.

Ballaststoffe und Joghurt gegen Lungenkrebs

Die Autoren stellten auch fest, dass der Zusammenhang zwischen Ballaststoff- und Joghurtkonsum beim Plattenepithelkarzinom, einer Form von Lungenkrebs, dessen Verlauf stark von chronischen Entzündungen beeinflusst wird, noch ausgeprägter ist.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ballaststoffe zusätzlich zu ihren gut dokumentierten positiven Auswirkungen auf die Verringerung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs des Verdauungstrakts auch eine schützende Rolle gegen Lungenkrebs spielen können. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die vermehrte Aufnahme von pflanzlichen Nahrungsmitteln (Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkorngetreide) durch die enthaltenen Ballaststoffe zu zahlreichen gesundheitlichen Vorteilen führen kann.

Quellen:
Vieira AR et coll. Fruits, vegetables and lung cancer risk: a systematic review and meta-analysis. Ann Oncol.; 27 : 81-96.
McAleer JP et JK Kolls. Contributions of the intestinal microbiome in lung immunity. Eur. J. Immunol. 48 : 39-49.
Yang JJ et coll. Association of dietary fiber and yogurt consumption with lung cancer risk: a pooled analysis. JAMA Oncol.