Krebs: 70 % der Erkrankungen durch gesunde Lebensweise vermeidbar

Die meisten der für die Entstehung von Krebserkrankungen verantwortlichen Mutationen treten während unseres Lebens spontan auf, also durch einfaches Unglück. Die Entwicklung einer Krebserkrankung oder deren Vermeidung hängt hingegen direkt mit unserem Lebensstil zusammen.

Inzwischen gilt als erwiesen, dass Krebs das Ergebnis einer Anhäufung von Mutationen in Schlüsselgenen ist, die zu einer unkontrollierten Zellproliferation führen. Derartige Mutationen werden durch drei Hauptfaktoren verursacht:

  • Zufällige Kopierfehler, die bei der Zellteilung auftreten. Jedes Mal, wenn sich eine Zelle teilt, müssen in jeder Zelle etwa 3 Milliarden DNA Bausteine repliziert werden. Der Körper produziert jede Stunde Milliarden neuer Zellen, was somit zu vielen Fehlern führen kann.
  • Umweltfaktoren. Substanzen wie Zigarettenrauch, Alkohol oder UV-Strahlen verursachen Schäden an der DNA. Diese toxischen Aggressoren sind für die meisten Lungen-, Leber- und Hautkrebsarten sowie Krebserkrankungen des oberen Verdauungstrakts verantwortlich.
  • Vererbung. Einige defekte Gene, die Mutationen enthalten, werden von den Eltern vererbt und sind daher bereits bei der Geburt vorhanden. Schätzungen besagen, dass diese Erbmutationen für etwa 5-10% aller Krebserkrankungen verantwortlich sind.

Der Ursprung von Krebs ist zufällig

Die Arbeit der Gruppe von Dr. Bert Vogelstein (Johns Hopkins University School of Medicine) zeigt, dass die erste Kategorie die Hauptursache für Krebsmutationen ist, also Kopierfehler, die spontan und durch einfachen Zufall entstehen. Die Forscher konnten zeigen, dass es eine starke Korrelation zwischen der Gesamtzahl der Stammzellteilungen in einem Organ und dem Risiko der Krebsentstehung gibt. Dies erklärt, warum ein Organ wie der Dickdarm, in dem sich die Zellen häufig teilen, auch häufiger von Krebs betroffen ist als ein Organ wie das Gehirn, in dem die Anzahl der Zellteilungen viel geringer ist.
In einem kürzlich erschienenen Artikel haben dieselben Autoren ihre Beobachtungen auf 17 Krebsarten ausgedehnt, die Menschen in 69 verschiedenen Ländern betreffen. Sie kamen zu einem ähnlichen Ergebnis. Zwei Drittel der in den meisten Krebszellen vorhandenen Mutationen sind auf einfachen Zufall zurückzuführen. Der Hauptrisikofaktor für Krebs ist daher nicht die Vererbung, wie viele Menschen fälschlicherweise glauben, sondern das Auftreten von spontanen Mutationen, die durch einfaches Unglück bei der Zellerneuerung auftreten.

Krebs entwickelt sich- oder nicht

Diese spontanen Mutationen haben das Potenzial, kanzerös zu werden. Aber in den meisten Fällen entwickeln sie sich nie ausreichend, um einen klinisch nachweisbaren Krebs zu bilden. Beispielsweise haben 50% der Frauen in ihren 40ern präkanzeröse Läsionen in der Brust, während die Inzidenz dieses Krebses 15% beträgt. Mit anderen Worten: Das Auftreten von Krebszellen ist zwar weitgehend auf Pech zurückzuführen, aber es gibt eindeutig noch andere externe Faktoren, die die Weiterentwicklung dieser abnormen Zellen zu aggressiven Tumoren beeinflussen.

Der Lebensstil stimuliert oder stoppt die Verbreitung von Krebs

Mehrere Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Lebensstil eine Schlüsselrolle bei der Progression dieser mikroskopisch kleinen Tumore bis hin zu reifen Krebsarten spielt. Die internationalen Unterschiede hinsichtlich der Inzidenz bestimmter Krebsarten veranschaulichen dies wahrscheinlich am besten: Brustkrebs tritt in Amerika bis zu 20-mal häufiger auf als beispielsweise in Asien. Die Wahrscheinlichkeit, an Prostatakrebs zu erkranken, ist jedoch im Westen 10-mal höher als in Japan.

Im letzteren Fall ist der Unterschied um so beeindruckender, denn die Japaner weisen eine ähnliche Häufigkeit von Mikrotumoren in der Prostata auf wie die Westler. Dies weist darauf hin, dass zusätzliche Lebensstilfaktoren die Entwicklung dieser mikroskopischen Tumore zu reifem Krebs verhindern. Die meisten dieser Mutationen werden bereits während der explorativen Zellteilung in der Kindheit erworben, die mit der Entwicklung bis zum erwachsenen Körper einhergeht. Mehr als 90% der Krebserkrankungen treten jedoch erst nach dem 50. Lebensjahr auf, die Mutationen brauchen offenbar Jahrzehnte, um die Schwelle bis zum klinischen Ausdruck zu erreichen. In den meisten Fällen ist es daher möglich, die Entwicklung dieser Mikrotumore zu reifem Krebs zu verhindern.

70 % der Krebserkrankungen durch einen gesunden Lebensstil verhindern

Bevölkerungsstudien zeigen eindeutig, dass die hohe Inzidenz der unsere Gesellschaft am häufigsten betreffenden Krebsarten (Lunge, Dickdarm, Brust, Prostata) weitgehend durch den westlichen Lebensstil verursacht wird. Etwa 70% dieser Krebsarten können durch gesunde Lebensgewohnheiten verhindert werden: Kein Rauchen, geringer Alkoholkonsum, eine Ernährung, die reich an Obst und Gemüse sowie an Omega-3-Fettsäuren ist und wenig Zucker enthält, sowie die Aufrechterhaltung eines normalen Körpergewichts und regelmäßige körperliche Aktivität.

Quellen:

Tomasetti C et Vogelstein B. Variation in cancer risk among tissues can be explained by the number of stem cell divisions. Science, 2015; 347: 78-81.

Tomasetti C et coll. Stem cell divisions, somatic mutations, cancer etiology, and cancer prevention. Science, 2017; 355:1330-1334.

Wu S et coll. Substantial contribution of extrinsic risk factors to cancer development. Nature, 2016; 529: 43-7.

https://www.pressesante.com/cancer-eviter-70-mode-de-vie-sain/