Körperliche Aktivität reduziert das Risiko an Alzheimer und Demenz zu erkranken um bis zu 90%

Laut einer in der renommierten Zeitschrift Science veröffentlichten Studie verhindert Bewegung die Entwicklung der Alzheimer-Krankheit, indem sie die Produktion neuer Neuronen im Hippocampus des Gehirns fördert.

Wie bei allen Organen des menschlichen Körpers verschlechtern sich Struktur und Funktion des Gehirns mit dem Alter allmählich. Diese Alterung ist völlig normal und führt in den meisten Fällen nur zu einem leichten Verlust an „Flexibilität“ des Gehirns. Meist entstehen dadurch keine großen Auswirkungen auf die Lebensqualität einer Person.
Wenn der Schaden jedoch zu groß wird, kann er zur Entwicklung einer einschränkenden Demenz führen. Das Verhalten, die Persönlichkeit und alle kognitiven Funktionen (Denken, Analyse, Sprache) können sich dann stark verändern. Eine der häufigsten Formen der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit, von der derzeit weltweit etwa 30 Millionen Menschen betroffen sind. Bis 2050 könnten sogar bis zu 100 Millionen Menschen betroffen sein, falls bis dahin keine Fortschritte bei der Prävention oder Behandlung dieser Erkrankung erzielt werden. Wege zu finden, um die Krankheit zu verhindern oder zumindest ihre Entwicklung zu verlangsamen, ist daher eine der großen Herausforderungen der modernen Wissenschaft.

Ergebnisse einer Studie an 1462 Frauen über einen Zeitraum von bis zu 44 Jahren

Die Forschung der letzten Jahre deutet darauf hin, dass regelmäßige körperliche Aktivität einer der Schlüsselfaktoren des Lebensstils ist. Der altersbedingten Rückgang der kognitiven Funktion kann durch Sport verlangsamt und der Ausbruch von Demenz verhindern werden. Mehrere Studien der letzten zehn Jahre haben hervorgebracht, dass körperlich aktive Menschen mit zunehmendem Alter weniger von einer Verschlechterung ihrer kognitiven Funktionen und weniger wahrscheinlich von verschiedenen Arten von Demenz betroffen sind. Zum Beispiel berichtete eine schwedische Studie, die eine Gruppe von 1.462 schwedischen Frauen im Alter von 38 bis 60 Jahren bis zu 44 Jahre lang (ab 1968) verfolgte, dass diejenigen, die am aktivsten waren und die beste kardiovaskuläre Fitness hatten, ein 90% geringeres Risiko hatten, eine Demenz zu entwickeln als diejenigen, die inaktiv waren.

Dieser schützende Trainingseffekt gegen den kognitiven Rückgang im Zusammenhang mit dem Alterungsprozess ist zum Teil auf die positiven Auswirkungen der körperlichen Aktivität auf das Herz zurückzuführen. Obwohl es nur 3 % des Gesamtgewichts des Körpers ausmacht, ist das Gehirn ein gefäßreiches Organ, das allein 15 % des Herzzeitvolumens benötigt und etwa 20 % des gesamten vom Körper benötigten Sauerstoffs verbraucht. Hirnaktivitäten wie Denken, Gedächtnis und Bewusstsein sind daher in hohem Maße von einer ausreichenden Blutversorgung und damit von der Gesundheit des Herzens und der Blutgefäße abhängig.

Körperliche Aktivität schützt Herz und Gehirn

Neben einem positiven Effekt auf das Herz zeigen Studien auch, dass Bewegung einen direkten Einfluss auf das Gehirn hat. Bei älteren Menschen ist eine hohe maximale aerobe Fitness (ein Marker für die kardiovaskuläre Gesundheit) mit einer Zunahme der Hirngröße und des Hippocampus (dem Sitz der Erinnerung) verbunden. Mit anderen Worten: Regelmäßige Bewegung verursacht Veränderungen in der physischen Struktur des Gehirns selbst. Und diese Veränderungen führen zu einer verbesserten kognitiven Funktion. Dieses Phänomen wird durch die Ergebnisse einer Studie an Mäusen gut veranschaulicht, die genetisch für die Entwicklung von Alzheimer-Krankheit prädisponiert sind. Die Forscher beobachteten, dass die Mäuse durch ein tägliches Training im aeroben Bereich (3 Stunden Laufen in einem Laufrad) eine bessere Kognition entwickelten, die durch ihre Fähigkeit sich in einem Labyrinth zu bewegen überprüft wurde.

Körperliche Aktivität führt zu erhöhter Neuronenproduktion

Dieser Effekt korreliert mit einer Zunahme der Produktion neuer Neuronen im Hippocampus (Neurogenese) sowie einer Zunahme des sogenannten « vom Gehirn stammenden » neurotrophen Faktors (BDNF ; Brain-derived neurotrophic factor). Hierbei handelt es sich um einen Wachstumsfaktor, der die Bildung und Reorganisation neuronaler Netzwerke fördert. Diese beiden Phänomene scheinen für die Vermittlung der positiven Effekte von sportlicher Betätigung absolut notwendig zu sein, da die Erhöhung der Neurogenese und des BDNF-Spiegels mit Hilfe genetischer und pharmakologischer Ansätze die Erhaltung der kognitiven Funktionen auch bei untrainierten Tieren wiederherstellen kann.

Ob wegen ihrer positiven Auswirkungen auf die Gesundheit von Herz und Kreislauf oder auf die Funktion der Nervenzellen, körperliche Aktivität ist derzeit eine der besten uns zur Verfügung stehenden Waffen, um die Häufigkeit derartiger Krankheiten sowie die schwere Belastung der Betroffenen und ihrer Familien zu verringern.

Quellen:

Hörder H et coll. Midlife cardio- vascular fitness and dementia: A 44-year longitudinal population study in women. Neurology 2018; 90 : e1298-e1305.

Choi SH et coll. Combined adult neurogenesis and BDNF mimic exercise effects on cognition in an Alzheimer’s mouse model. Science 2018; 361(6406).