Exzessiver Zuckerkonsum führt zu Auftreten von Prädiabetes und zur Zunahme von Krebserkrankungen

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Auch ohne Diabetes werden im Blut „gesunder“ Menschen zunehmend erhöhte Blutzuckerwerte gefunden. Dieser „Prädiabetes“ hat nicht nur schädliche Auswirkungen auf die Herzgesundheit, sondern wirkt auch als Risikofaktor für verschiedene Krebsarten.

Man muss sich nur alte Fotos ansehen, um zu erkennen, wie viel größer wir heute sind als noch vor 30 Jahren. Der Body-Maß-Index steigt mit Werten über 25 (Übergewicht) oder über 30 (Fettleibigkeit) in der deutschen Bevölkerung ständig als Resultat des übermäßigen Konsums kalorienreicher Lebensmittel und einer sitzenden Lebensweise.

Das Körpergewicht

Das Thema Übergewicht wird immer noch zu oft vom ästhetischen Standpunkt aus betrachtet, als wäre die einzige Konsequenz des „sehr gut verpackt“ Seins anders auszusehen als dies mit den heutigen Schönheitsstandards vereinbar ist. Übergewicht ist jedoch in erster Linie ein medizinisches Problem: Die übermäßige Menge an Fett, die sich im Fettgewebe ansammelt, stört das allgemeine Gleichgewicht des Körpers, insbesondere seine Fähigkeit, den Blutzuckerspiegel angemessen zu kontrollieren. Eine der größten Gefahren des Übergewichts besteht daher in der Entwicklung von Typ-2-Diabetes, einer äußerst schwer zu behandelnden Krankheit, die mit einem deutlich erhöhten Risiko für Herzkrankheiten, Krebs und Neurodegeneration einhergeht. Die Bedeutung der Aufrechterhaltung eines normalen Körpergewichts hat nichts mit dem körperlichen Erscheinungsbild zu tun; sie ist eine wesentliche Voraussetzung für die Prävention vieler schwerer chronischer Krankheiten.

Prädiabetisch sein, ohne es zu wissen

Der Ausbruch von Typ-2-Diabetes geschieht nicht über Nacht, sondern ist das Ergebnis eines langen Prozesses, bei dem die Körperzellen allmählich die Fähigkeit verlieren, Zucker aus dem Blut aufzunehmen. In dieser Übergangszeit sind übergewichtige Menschen so genannte „Prädiabetiker“, d.h. sie haben einen über dem normalen Blutzuckerspiegel liegenden Blutzuckerwert (Nüchternglukose über 5,6 mmol/l), erreichen aber nicht die Blutzuckerwerte von Diabetikern.
Dies ist ein wachsendes Problem, da der Anteil der übergewichtigen Menschen zunimmt. Es besteht durchaus Anlass zur Sorge, da inzwischen mehrere Studien darauf hinweisen, dass Prädiabetes sehr gesundheitsschädlich sein kann, selbst wenn eine derartige Hyperglykämie nicht mit offensichtlichen Symptomen einhergeht.

Das Leberkrebsrisiko stieg um 200% und das Gebärmutterkrebsrisiko um 60%

Eine kürzlich durchgeführte Studie über die Auswirkungen von Hyperglykämie auf das Krebsrisiko ist ein gutes Beispiel für die negativen Auswirkungen von Prädiabetes.
Ein Team chinesischer Wissenschaftler analysierte die Ergebnisse von 16 Studien mit 891.426 Personen und stellte fest, dass Prädiabetiker ein viel höheres Risiko aufweisen an Leber- (200%), Darm- (55%), Gebärmutter- (60%) oder Bauchspeicheldrüsenkrebs (19%) zu erkranken. Nimmt man alle Krebsarten zusammen, so schätzen die Forscher, dass eine prädiabetische Hyperglykämie das Krebsrisiko um 15% erhöht. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Störungen im Zuckerstoffwechsel eine wichtige Rolle bei der Erhöhung des Krebsrisikos für übergewichtige Menschen spielen.

Nichts Unumkehrbares

Die gute Nachricht ist, dass Prädiabetes keine unheilbare Krankheit ist: Es ist möglich, den Blutzuckerspiegel ohne Medikamente zu normalisieren, indem man einfach eine Änderung der Lebensweise vornimmt. In diesem Sinne können eine gute Ernährung, eine Reduzierung des Körpergewichts um etwa 5-10% und mehr körperliche Aktivität (z.B. 120 Minuten moderate Bewegung pro Woche, wie z.B. zügiges Gehen) einen außergewöhnlichen Einfluss auf den Zuckerstoffwechsel haben und damit zur Prävention von Krebs und chronischen Krankheiten im Allgemeinen beitragen.

Quelle:

Huang Y et coll. Prediabetes and the risk of cancer: a meta-analysis. Diabetologia