Depressionen: Chronische Entzündungen lassen uns grübeln

Forscher der Universität Cambridge fanden heraus, dass chronische Entzündungen für den Ausbruch einer Depression verantwortlich sein können. Indem sie die Wirksamkeit von entzündungshemmenden Medikamenten beweisen, ähnlich denen, die bei der Behandlung von rheumatoider Arthritis und Psoriasis eingesetzt werden, untermauern sie den entzündlichen Charakter von Depressionen. Die in der Zeitschrift Molecular Psychiatry vorgestellte Literaturübersicht legt nahe, dass wir unserem Immunsystem bei psychischen Störungen mehr Aufmerksamkeit schenken sollten.

Der gefundene Zusammenhang

Frühere Forschungen haben bereits darauf hingewiesen, dass ein hohes Niveau an Entzündungsmarkern bei Kindern mit einem höheren Erkrankungsrisiko für Depressionen und Psychosen im Erwachsenenalter verbunden ist. Diese Erkenntnisse unterstützen auch die Rolle der chronisch-systemischen Entzündung bei psychischen Erkrankungen. Mehrere Studien haben die Schlüsselrolle von Entzündungen bei Depressionen gezeigt, wenn auch nur über einen Zusammenhang mit Stress. Eine Entzündung des Gehirns ist häufig mit Stress und schweren Depressionen verbunden, zudem besteht ein Zusammenhang zwischen chronischen Entzündungen und dem Auftreten von Depressionen.

Die Experten der Abteilung für Psychiatrie in Cambridge stützen sich auf Daten aus 20 klinischen Studien, die den Einsatz von Cytokin-hemmenden Medikamenten bei der Behandlung einer Reihe von Autoimmunerkrankungen untersuchen. Durch die Untersuchung der begleitenden positiven Nebenwirkungen dieser Behandlungen haben die Forscher einen signifikant antidepressiven Effekt feststellen können. Metaanalysen anderer klinischer Studien bestätigten diesen Befund.

Ein Mechanismus, der immer besser bekannt wird

Wenn man einer Infektion ausgesetzt ist, reagiert das Immunsystem. Und während dieses Prozesses überfluten Immunzellen den Blutstrom mit Proteinen, die Zytokine genannt werden. Dieser Prozess ist als systemische Entzündung bekannt. Aber selbst wenn wir gesund sind, so die Autoren dieser Publikation, trägt unser Körper Spuren dieser Proteine. Diese sogenannten Marker verstärken die Immunantwort auf eine Infektion. Entzündungen können auch als Folge von Autoimmunreaktionen wie bei rheumatoider Arthritis, Psoriasis und Morbus Crohn auftreten.

Neuere entzündungshemmende „Cytokin-Hemmer“, die vor kurzem als Reaktion auf einige dieser Autoimmunerkrankungen entwickelt wurden, verringern nachweislich die Schwere der depressiven Symptome. Für Dr. Golam Khandaker, den Hauptautor der Studie, wird immer klarer, dass Entzündungen zumindest bei einigen Patienten eine Schlüsselrolle bei Depressionen spielen. Es könnte möglich sein solche Patienten mit dieser neuen Klasse von nicht-steroidalen Entzündungshemmern behandeln zu können. Es ist jedoch noch verfrüht zu behaupten, dass diese Cytokin-hemmenden Medikamente in der klinischen Praxis zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden können.

Etwa ein Drittel der Patienten, die gegen Antidepressiva resistent sind, zeigen Anzeichen von Entzündungen. Die verfügbaren Antidepressiva zielen auf einen bestimmten Typ von Neurotransmittern ab, aber ein Drittel der Patienten spricht nicht auf diese Medikamente an.

Chronische Entzündungen auf natürliche Weise bekämpfen

Komplementäre Gesundheitsansätze haben diesen Punkt seit langem erkannt und ihren Fokus auf die Milderung der chronischen Entzündung verlagert. Es gibt gute Ansätze zur Bekämpfung chronischer Entzündungen mit zum Beispiel mediterraner Ernährung, Omega-3-Fettsäuren-Ergänzungsmitteln, Gewürzen wie Kurkuma (Curcumin) und Pfeffer (Piperin), den Vorteilen regelmäßiger körperlicher Aktivität, über die wir in unseren Kolumnen oft sprechen, Mediation, Yoga, usw… Wählen Sie aus dem natürlichen entzündungshemmenden Repertoire aus, was Ihnen am besten passt, und helfen Sie sich selbst wieder auf den richtigen Weg zu gelangen.

 

Quelle:

Molecular Psychiatry 18 Oct 2016 DOI: 10.1038/mp.2016.167 Antidepressant activity of anti-cytokine treatment: a systematic review and meta-analysis of clinical trials of chronic inflammatory conditions