Alkohol: Frauen ab dem Jugendalter gefährdet

Der Alkoholkonsum hat in den letzten Jahrzehnten erheblich zugenommen, und ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung trinkt regelmäßig größere Mengen Alkohol. So trinken beispielsweise 30 % der Männer mindestens einmal im Monat (fünf oder mehr Getränke bei einer einzigen Gelegenheit), während 20 % der Frauen das Gleiche tun (vier oder mehr Getränke an einem einzigen Abend). Dieser Anteil steigt bei jungen Frauen zwischen 18 und 24 Jahren auf 45 %. Es versteht sich von selbst, dass diese wiederholten „Trinkgelage“ sehr gesundheitsschädlich sind, da Alkohol eine sehr giftige Substanz ist. Alkohol fördert die Entwicklung verschiedener Krebsarten, insbesondere Mund-, Speiseröhren- und Brustkrebs.

Alkohol erhöht den Östrogenspiegel bei jungen Mädchen

Selbst mäßiger Alkoholkonsum erhöht das Brustkrebsrisiko. Man nimmt an, dass dieser Anstieg durch einen Anstieg des Östrogenspiegels im Blut verursacht wird. Er stimuliert das Wachstum der Brustzellen übermäßig und das Risiko einer unkontrollierten Proliferation wird dadurch erhöht. Aus diesem Grund ist der Alkoholkonsum in der Jugend und im frühen Erwachsenenalter problematisch, weil sich gerade in dieser Zeit die Brustzellen am schnellsten vermehren und am ehesten von Schwankungen des Östrogenspiegels betroffen sind. Sind junge Frauen, die häufig Alkohol trinken, daher einem höheren Risiko ausgesetzt, später im Leben an Brustkrebs zu erkranken?
Die Antwort ist: Ja!

Ein direkter Zusammenhang zwischen Alkohol und Brustkrebs

Forscher ermittelten den Alkoholkonsum von 91.000 Frauen zu verschiedenen Zeitpunkten ihres Lebens (15-17, 18-22, 23-30 und 31-40 Jahre) und analysierten zehn Jahre später die Inzidenz von Brustkrebs in dieser Bevölkerungsgruppe. Sie stellten fest, dass für jedes Glas (10 g) Alkohol, das während der Adoleszenz und zu Beginn des Erwachsenenalters, d.h. zwischen dem Beginn der ersten Menstruation und der ersten Schwangerschaft, täglich konsumiert wurde, ein Anstieg von 13% bei Brustkrebs und ein Anstieg von 16% bei gutartigen proliferativen Brusterkrankungen (Läsionen, die das zukünftige Krebsrisiko deutlich erhöhen) zu verzeichnen war. Und je höher die eingenommene Dosis, desto größer ist das Risiko!

Um 40% erhöhtes Risiko

Eine junge Frau, die regelmäßig mehr als 15 g Alkohol trinkt, erhöht ihr Brustkrebsrisiko um 40%! Dieser Risikoanstieg ist noch ausgeprägter, wenn der Alkoholkonsum über einen längeren Zeitraum erfolgt, beispielsweise wenn die erste Schwangerschaft mehr als 10 Jahre nach Beginn der ersten Periode eintritt. Die Botschaft könnte also nicht klarer sein: Je höher der Alkoholkonsum vor der Geburt von Kindern ist, desto grösser ist das Brustkrebsrisiko für die zukünftige Mutter.

Es wird oft gesagt, dass „Mäßigung viel besser schmeckt“. Dies trifft sicherlich auch auf den Zusammenhang zwischen Alkohol und Brustkrebs zu. Es ist wichtig, dass Eltern mit jungen Mädchen offen über die Bedeutung von möglichst geringem Alkoholkonsum diskutieren. Dadurch kann deren Risiko im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken minimiert werden.

Quelle: Liu Y et coll. «Alcohol intake between menarche and first pregnancy: A prospective study of breast cancer risk». Journal of the National Cancer Institute