Darmkrebs: Mit Wurstwaren ist nun Schluss!

Industrielle Fleischwaren (wie z.B. Wurst) sind die erste Klasse von Lebensmitteln, die von der Weltgesundheitsorganisation in die Liste der nachgewiesenen krebserregenden Stoffe beim Menschen aufgenommen wurden. Dies ist nicht wirklich überraschend. Seit Langem ist bekannt, dass industriell verarbeitetes Fleisch krebserregende Verbindungen (Karzinogene) enthält.

Konservierungsstoffe, die in Wurstzubereitungen wie Hot Dogs, Bratwürstchen oder Speck enthalten sind bilden Nitrosamine. Diese haben die gefährliche Eigenschaft sich an unser genetisches Material zu binden und Mutationen in die DNA einzubringen. Dieses mutagene Potenzial wird durch das gleichzeitige Vorhandensein anderer krebserregender Stoffe in derartigen Produkten verstärkt. Wichtig sind hier insbesondere heterozyklische Amine und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die beim Erhitzen von Fleischzubereitungen entstehen.

Ein Würstchen pro Tag: 18% höheres Krebsrisiko

Ergebnisse aus Hunderten von Bevölkerungsstudien bestätigen die karzinogene Wirkung von Fleischwaren. Diese konnten eindeutig zeigen, dass Menschen, die regelmäßig große Mengen industriell verarbeiteten Fleisches verzehren, ein höheres Erkrankungs- und Sterberisiko für Darmkrebs aufweisen. Wenn man zum Beispiel täglich 50 g Wurstwaren (z.B. eine Hot Dog Wurst) isst, erhöht sich das Darmkrebsrisiko um 18%. All diese Beobachtungen veranlassten eine Expertengruppe der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), verarbeitetes Fleisch als krebserzeugenden Stoff der Gruppe 1 einzustufen. Diese Gruppe enthalten Stoffe, für die wissenschaftlich erwiesen ist, dass sie beim Menschen Krebs verursachen.

400% Zunahme von Darmkrebs in Japan seit Kriegsende

Neben dieser nicht mehr anzuzweifelnden karzinogenen Wirkung von Wurstwaren steht auch rotes Frischfleisch (Rind, Schwein, Lamm) im Verdacht, die Entwicklung von Darmkrebs zu fördern. Das beste Beispiel ist sicherlich Japan, wo der starke Anstieg des Konsums von rotem Fleisch seit dem Zweiten Weltkrieg mit einem ganz außergewöhnlichen Anstieg (400%) der Inzidenz von Darmkrebs einherging. Während die Japaner noch vor 30 Jahren eine der niedrigsten Inzidenzraten von Darmkrebs in der Welt hatten, ist die heutige Inzidenz höher als in den Vereinigten Staaten oder Frankreich. Alle bisher erzielten Ergebnisse lassen jedoch noch keine endgültige Schlussfolgerung über die Karzinogenität von rotem Frischfleisch zu. Die WHO hält es für „wahrscheinlich krebserregend“ (Gruppe 2A).

Maximal 500g rotes Fleisch pro Woche

Die Empfehlung des Weltkrebsforschungsfonds ist sehr klar. Der Verzehr von rotem Fleisch und Aufschnitt soll auf weniger als 500g pro Woche begrenzt werden. Es ist wichtig zu verinnerlichen, dass modernes Fleisch aus Massentierhaltungen in gewisser Weise auch „verarbeitetes“ Fleisch ist und sich sehr von früher produziertem Fleisch unterscheidet. Ursprünglich ist das Rind ein Wiederkäuer, der sich von Gräsern wie Klee, Gras oder Alfalfa ernährt. Die heutigen Rinder werden jedoch mit Mais und Sojabohnen gemästet, um ihr Wachstum zu beschleunigen. Ihr Fleisch enthält dadurch etwa doppelt so viel Fett wie das Fleisch eines Tieres, das mit Gras gefüttert wird.

Wir essen momentan fettleibige Tiere

Es ist äußerst interessant, dass Argentinien eine fast halb so hohe Inzidenz für Darmkrebs aufweist wie zum Beispiel Frankreich- trotz eines doppelt so hohen Rindfleischkonsums (58 versus 27 kg/Person/Jahr). Dies könnte darin begründet sein, dass das Fleisch von Rindern stammt, die auf der Weide gehalten werden.

Das erhöhte Darmkrebsrisiko, das mit dem missbräuchlichen Verzehr von Wurstwaren und rotem Fleisch verbunden ist, ist weder abstrakt noch theoretisch. Diese Krankheit ist bei Männern zur zweithäufigsten (die sogar die der Lunge übertrifft) und bei Frauen zur dritthäufigsten Krebserkrankung geworden ist. Sie ist für die nach Lungenkrebs größte Anzahl von Todesfällen verantwortlich. Nach Berechnungen der britischen Agentur Cancer Research UK ist der Verzehr von verarbeitetem Fleisch und rotem Fleisch für 21% aller Darmkrebsfälle verantwortlich.

So viele andere gute Dinge zu essen

Das Potenzial hinsichtlich der Krebsprävention, das mit einer Reduzierung des Verzehrs von Wurstwaren und rotem Fleisch verbunden ist, ist daher ziemlich außergewöhnlich. Insbesondere wenn diese Reduzierung mit Faktoren kombiniert wird, die ebenfalls stark mit einem verringerten Darmkrebsrisiko verbunden sind. Hierzu zählen eine Erhöhung des Gemüsekonsums und der körperlichen Aktivität, eine angemessenen Schlafdauer und die Kontrolle eines gesunden Körpergewichts.

Es muss unbedingt darauf hingewiesen werden, dass zwar 80 % der Darmkrebserkrankungen durch derartige Veränderungen im westlichen Lebensstil verhindert werden können. Jedoch müssen hierbei alle Faktoren berücksichtigt werden. Im Gegensatz zu Lungenkrebs, bei dem allein die Raucherentwöhnung die Entstehung dieses Krebses verhindern kann, ist Dickdarmkrebs eine multifaktorielle Erkrankung, die Veränderungen mehrerer physiologischer und biochemischer Parameter erfordert.

Keine Fleischwaren für Kinder

Diese Beobachtungen sind für Kinder besonders wichtig. Der Weltkrebsforschungsfonds schlägt vor, Aufschnitt komplett aus der Ernährung von Kindern zu streichen. Da Darmkrebs mehrere Jahrzehnte bis zur Entwicklung braucht, ist es daher besonders wichtig, dessen Entstehung an der Quelle zu stoppen. Es muss also vermieden werden, dass Kinder derartigen Karzinogenen ausgesetzt werden. Dieses Ziel ist bei weitem nicht unerreichbar, wenn man die riesige Auswahl an alternativen Eiweißquellen bedenkt. Hülsenfrüchte, Huhn, Vollkornnudeln, Eier, Thunfisch und Lachs- um nur einige zu nennen.

Quellen:

Chan D.S. et coll. «Red and processed meat and colorectal cancer incidence: meta-analysis of prospective studies.» PLoS One 2011 ; 6 : e20456.

Rohrmann et coll. «Meat consumption and mortality – Results from the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition.» BMC Medicine 2013; 11: 63

Bouvard V et coll. «Carcinogenicity of consumption of red and processed meat.» Lancet Oncol.